Ein Abend voller Einblicke, Erfahrungen und offener Horizonte
Mit rund 100 Besucher:innen war die Aula des Akademischen Gymnasiums bis auf den letzten Platz gefüllt, als am 13. März 2026 die diesjährigen AKAD Perspektiven stattfanden. Nach der Begrüßung durch Obfrau Elisabeth Nowak und Direktor Klaus Schneider führte Peter‑Paul Hahnl mit ruhiger, klarer und angenehm strukturierter Moderation durch den Abend. Die erste Gesprächsrunde begann – wie bereits bei zwei früheren Veranstaltungen – mit einem online zugeschalteten Gast.
Nicola Fürle-Gruber (Zuckerbäckermeisterin)
Bernadette Pointl-Pelka (stv. Wirtschaftsdelegierte Mexiko)
Reinhold Popp (Zukunfts- & Innovationsforscher)
Martin Weiss (ehem. Botschafter USA, CEO Salzburg Global)
Vier Lebenswege – vier Perspektiven

Den Auftakt machte Bernadette Pointl‑Pelka, stellvertretende Wirtschaftsdelegierte, die sich aus Mexiko zuschaltete. Sie schilderte, wie ihre beruflichen Stationen im Ausland teilweise zufällig entstanden – etwa Paris – während der Schritt nach Mexiko eine bewusste Entscheidung gemeinsam mit ihrem Mann war. Für ihre Tätigkeit brauche es, ähnlich wie in der Diplomatie, ein hohes Maß an Offenheit, die Bereitschaft, sich auf neue Situationen einzulassen, und die Freude daran, sehr unterschiedliche Menschen kennenzulernen. Auch sie betonte, dass ein Leben an wechselnden internationalen Einsatzorten viel Flexibilität erfordert – und dass die Familie diesen Weg mittragen muss.
Es folgte Martin Weiss, CEO von Salzburg Global und ehemaliger österreichischer Botschafter in Zypern, Israel und den USA. Er gab Einblicke in seine diplomatische Arbeit und hob hervor, wie wichtig internationale Verständigung und Dialogbereitschaft sind – Werte, die auch im Programm von Salzburg Global eine zentrale Rolle spielen.
Mit Blick auf den aktuellen Iran‑Krieg äußerte er die Einschätzung, dass die weltweiten Auswirkungen dieses Konflikts möglicherweise nicht ausreichend bedacht wurden. Solche Entwicklungen könnten – so seine vorsichtig formulierte Beobachtung – Regime wie jenes im Iran in ihrer Überzeugung bestärken, sich durch den Besitz von Atomwaffen gegen äußere Angriffe schützen zu müssen, ähnlich wie es Nordkorea vormacht.

Gleichzeitig betonte er, wie entscheidend es wäre, wieder stärker Kompromisse einzugehen und Dialoge zu führen. Vieles sei in den vergangenen Jahren zerstört worden; Verständigung aufzubauen sei ungleich schwieriger als sie zu verlieren.

Als dritte Gesprächspartnerin berichtete Nicola Fürle‑Gruber von ihrem Weg zur Konditormeisterin. Sie erzählte, dass sie mit 15 Jahren noch keine klare Vorstellung von einer Lehre hatte. Erst ein Besuch bei Sprüngli in Zürich weckte ihren Wunsch, Konditorin zu werden – verbunden mit dem Wunsch, etwas mit den Händen zu machen, etwas Handwerkliches, Kreatives.
Ihre internationalen Stationen führten sie später unter anderem in den arabischen Raum – und dort machte sie eine Erfahrung, die sie besonders hervorhob: Geschmack ist kulturell geprägt. Ein klassischer österreichischer Marillenknödel sei für viele Menschen im arabischen Raum schlicht „zu sauer“. Wer international arbeite, müsse sich daher auf lokale Erwartungen einstellen und Produkte entsprechend anpassen.
Beim Thema Sicherheit und Rückhalt wandte sie sich ausdrücklich an die Eltern im Publikum und betonte, wie wichtig familiäre Unterstützung für mutige berufliche Schritte sei.
Den Abschluss der Vorstellungsrunde bildete Reinhold Popp, Zukunftsforscher, der die Bedeutung einer breiten humanistischen und sprachlichen Ausbildung hervorhob. Besonders ein fundiertes Geschichtswissen sei unverzichtbar, um Entwicklungen der Gegenwart zu verstehen und mögliche Zukunftsszenarien realistisch einschätzen zu können.

Publikumsfragen zwischen Weltpolitik und Wissenschaft
Die anschließende Fragerunde war geprägt von den aktuellen geopolitischen Ereignissen – insbesondere dem Iran‑Krieg und der Situation der Palästinenser:innen in Gaza. Eine Frage aus dem Publikum richtete sich direkt an Reinhold Popp und bezog sich auf seine persönliche Einschätzung zum Determinismus.
Er erklärte, dass der klassische Determinismus in der heutigen Wissenschaft kaum noch eine bedeutende Rolle spiele. Entwicklungen seien nicht vorherbestimmt, sondern entstünden aus einem komplexen Zusammenspiel von Strukturen, Zufällen und individuellen Entscheidungen.

Peter-Paul Hahnl, Martin Weiss, Nicola Fürle‑Gruber, Reinhold Popp, Bernadette Pointl‑Pelka
Martin Weiss knüpfte daran an und unterstrich die Bedeutung bewusster Entscheidungen einzelner Personen – etwa Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine – für den Verlauf internationaler Entwicklungen. Diese Beispiele zeigten, wie stark individuelle Handlungen globale Dynamiken beeinflussen können. Eine vertiefte Analyse hätte jedoch den zeitlichen Rahmen des Abends gesprengt.
Austausch bis weit in die Nacht
Nach rund 90 Minuten endete die offizielle Podiumsdiskussion, doch der Abend war damit keineswegs vorbei. Beim Buffet wurde weiter diskutiert, gelacht und vernetzt – und erst gegen Mitternacht wurden die Pforten der Schule geschlossen.
Informationen zu den Teilnehmer*innen der Podiumsdiskussion:
Nicola Fürle-Gruber (Konditorin)
(Matura 2003)

- 2003 – 2005: Kolleg für Touristisches Management in Kleßheim
- 2005 – 2007: Konditorlehre in der Konditorei „Der Tortenmacher“ in Salzburg
- 2007 – 2008: Patisserie Trainer, Kuredu Island Resort , Malediven
- 2008 – 2010: Demi Chef de Partie im Burj al Arab, Dubai, Beförderung zum Chef de Partie 2009
- 2010: Meisterprüfung der Konditoren
- 2010 – 2011: Cake Decorater bei Peggy Porschen, London
- 2012: Selbständig mit der Firma backebackekuchen
Bernadette Pointl-Pelka (stv. Wirtschaftsdelegierte Mexiko)
Matura 2011

- 2011 – 2018: Studium der Rechtswissenschaften in Graz und Salzburg, diverse Praktika im Rechtsbereich
- 2017: Volontariat am AussenwirtschaftsCenter Dublin
- 2018: Praktikum an der österreichischen Botschaft in Hanoi
- 2018-2019: das Gerichtsjahr am Salzburger Bezirks- und Landesgericht
- 2019: Praktikum am Institut der Regionen Salzburg
- 2020: Ausbildung zur Yogalehrerin am WIFI Salzburg
- 2020-2021: Diplomlehrgang an der Diplomatischen Akademie
- 2021: Praktikum im Salzburger Verbindungsbüro in Brüssel
- 2022: Trainee WKÖ Wien
- 2023 – 2025: stellvert. Witschaftsdelegierte in Paris
- 2025-12: stellvert. Witschaftsdelegierte in Mexiko Stadt
Reinhold Popp (Zukunfts- & Innovationsforscher)
Matura 1967

- 1967 – 1979: Studium der Psychotherapie und Klinischen Psychologie sowie ein Doktoratsstudium (Politikwissenschaft/Bildungswissenschaft) in Salzburg.
- 1986: Habilitation an der Universität Innsbruck
- 1988 – 2004: Co-Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für sozialwissenschaftliche Berufs- und Freizeitforschung
- 1995: Universitätsprofessor an der Universität Innsbrucktituliert
- 2005 – 2013: Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien (ZfZ) der FH Salzburg
- 2006 – 2013: Koordinator des zukunftsbezogenen Doktoratsstudiums „Zukunft: Bildung: Lebensqualität“.
- 2008–2012: wirkte als wissenschaftlicher Leiter an der Konzeption der Tagungsreihe „Zukunft: Lebensqualität“ mit.
Diese jährliche interdisziplinäre Konferenzveranstaltung entstand auf Initiative des ZfZ und des Europäischen Forums Alpbach.
Martin Weiss (ehem. Botschafter USA, CEO Salzburg Global)
(Matura 1981)

- 1981 – 1986: Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Graz und Wien
- 1986 – 1988: Assistent am Institut für Staats- und Verwaltungsrecht der Universität Wien
- 1988 – 1990: Fulbright Stipendiat an der University of Virginia (Master of Laws (LL.M.))
- 1990: Eintritt in den österreichischen diplomatischen Dienst ein.
- 1991: ständige Vertretung Österreichs bei den Vereinten Nationen in New York
anschließend an der österreichischen Botschaft in Washington, D.C. - 2000: Leitung des österreichischen Presse- und Informationsdienst an der österreichischen Botschaft in Washington, D.C.
- 2001: Leitung der Presse- und Informationsabteilung des Außenministeriums in Wien, Sprecher des Ministeriums
- 2004: Bestellung zum österreichischen Generalkonsul in Los Angeles
- 2009: Bestellung zum österreichischen Botschafter in der Republik Zypern
- 2012: neuerliche Leitung der Presse- und Informationsabteilung des Außenministeriums
- 2015: Bestellung zum österreichischen Botschafter in Israel
- 2019: Bestellung zum österreichischen Botschafter in den USA.
- 2022: Präsident und CEO von Salzburg Global, einer unabhängigen non-profit Organisation mit ihrem Hauptquartier in Salzburg (Schloss Leopoldskron) und einem USA Büro in Washington, D.C.
